Telekommunikationsanbieter wie die Deutsche Telekom und Vodafone nutzen immer mehr die umstrittenen Zero-Rating-Schlupflöcher, um Angebotspakete zu schneidern, die im Nebeneffekt die Netzneutralität verletzen. Wir haben in verschiedenen Artikeln beleuchtet, wie diese Angebote den freien Wettbewerb gefährden, nur die großen Player fördern und damit auf lange Sicht auch die Wahlfreiheit von Verbrauchern einschränken. Verbraucherschützer kritisieren diese Angebote und setzen sich dafür ein, dass dieses Schlupfloch aus der EU-Netzneutralitätsregulierung geschlossen wird.
Diese Debatte scheint bei der Stiftung Warentest vorbei gegangen zu sein, denn jetzt wurden die Zero-Rating-Angebote von Vodafone und Deutsche Telekom in ihrem Heft positiv bewertet. Unter der Überschrift „Zusatzoptionen zum Mobilfunktarif schonen das Datenvolumen“ freuen sich die Autoren über die Angebote von Vodafone und Telekom. Kein Wort verliert die angesehene Verbraucherschutz- und Testorganisation allerdings darüber, dass die Angebote die Netzneutralität verletzen und so einen Eingriff in die Rechte der Verbraucher darstellen.
Das Problem an den Zusatzoptionen ist: Die Netzbetreiber teilen das Internet in Kategorien wie Musik, Chat, soziale Netzwerke oder Video ein und nehmen den Zugriff auf darin enthaltene Partnerdienste vom monatlichen Datenvolumen aus. Das System bevorzugt die großen Player und zementiert Machtstrukturen im Netz. Diese Verletzung der Netzneutralität ist genau das, wovor Verfechter eines freien und nutzerfreundlichen Internets immer gewarnt haben.
Anstatt generell das Datenvolumen anzuheben, um dadurch attraktiver für alle Nutzer zu werden, zerlegen die Netzbetreiber das Internet in Klassen und entscheiden damit über Gewinner und Verlierer bei den Diensteanbietern. Das ist schlecht für den Verbraucher. Tomas Rudl fragt in seinem Artikel zu diesen Diensten zu recht:
Warum sollte der Zugriff etwa auf einen Messenger mehr wert sein als der auf ein soziales Netzwerk? Warum drängt Vodafone seine Nutzer dazu, lieber einen Vertrag mit Amazon Music als mit Apple Music abzuschließen, um Musik streamen zu können? Was passiert mit einem spannenden Internetradio aus Chile, das die Details des deutschen Mobilfunkmarkts nicht auf dem Schirm hat und so benachteiligt wird? Was ist mit all den Diensten, die nicht in eine der Kategorien passen und so gänzlich unter den Tisch fallen?
Update 15.12.:
Stiftung Warentest hat auf die Kritik, die sich auch in den Kommentaren auf ihrer eigenen Seite niederschlug, reagiert.
